Wuchtige Stadtteilversammlung St. Pauli: Resolution verabschiedet, Widerstand angekündigt

 

Der Hamburger SPD-Senat muss sich warm anziehen: In einer vielfältigen und mit 400 Teilnehmer_innen voll besuchten Stadtteilversammlung, kündigen die Sanktpaulianer_innen weiteren Widerstand an. “Ihr vertetet uns nicht mehr!”, sprach ein Teilnehmer dem Senat & Bürgerschaft jegliche Legitimation ab. “Wir wollen Eure Bauvorhaben nicht!”. Unter begeistertem Applaus wurde eine Resolution verabschiedet, die vom Senat und Bezirk Garantien fordert, bevor die Häuser fallen. “Wir sollten uns erinnern: In St. Pauli haben wir die Fähigkeit entwickelt, Bauzäune zu Fall zu bringen.” – so eine andere Stimme aus der Versammlung. Eine Diskutantin griff die Legitimationskrise der Bezirkspolitik auf und schlug vor die Stadtteilversammlung zu verstetigen und einen “konstituierenden Prozess” in Gang zu bringen. Denn neben Esso-Häuser-Planung und BID Reeperbahn+, neben Flora und Lampedusa in Hamburg, brennen weitere Probleme unter den Nägeln – auf die die Politik keine Antwort weiß. Weitere Aktionen sind in Vorbereitung, ein Nachfolgetreffen  ist für den 18. Februar im Kölibri angekündigt. 

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Ein Zittern. 5 Minuten zum Packen. Evakuierung.

SOS St. Pauli Demonstrationsaufruf 21.12.2013

 

…14 Stunden später stehen sie vor den laufenden Kameras der Presse: Bezirksamtsleiter Andy Grote und Bayerische Hausbau Manager Taubenberger. 14 Stunden nach einer polizeilichen Räumung ohne Beispiel. 14 Stunden nachdem offenbar geworden ist, dass die herausgezögerte Sanierung der Häuser Menschenleben aufs Spiel gesetzt hat. 14 Stunden danach: der SPD Politiker und gelernte Anwalt Grote steht im Erdgeschoss der “Tanzenden Türme” und widerspricht nicht, als dem Esso-Häuser-Vermieter diese Worte über die Lippen kommen: “An geldliche Entschädigung oder ähnliches ist nicht gedacht”.

 

Verantwortung im Lande des TÜVs

 

Die Bayerische Hausbau ist seit dem Kauf der Häuser juristisch verantwortlich für ihren jetzigen Zustand, denn sie hat neben Grundstück und Gebäuden, auch die Pflicht zur Behebung des Sanierungsstaus miterworben. Dabei spielt keine Rolle, was der Vorbesitzer unterlassen hat. Auch nicht, dass die Hausbau von vornherein auf Abriss spekuliert hat: Gewohnt, den roten Amigo-Teppich ausgerollt zu bekommen, wollte sich der bayerische Immobilienriese von vornherein am wachsenden Immobilienmarkt Hamburgs platzieren und hat für 18,9 Millionen das Grundstück gekauft – ein Preis, der sich damals schon nur deshalb gerechnet hat, weil man auf Abriss und extreme Nachverdichtung mit hochpreisigen Miet- und Eigentumswohnungen spekuliert hat. In der Heimat der Bayerischen Hausbau ist man es gewohnt, dass Bebauungspläne mal eben geändert werden … Weiterlesen

Rudolf-Lodders Preis 2012: Intervention von SOS-St.Pauli und Esso-Häuser-Ini

Die Stimmung in der Akademie der Künste war an diesem warmen Frühsommerabend gedrückt: Jungarchitekten waren aus ganz Deutschland angereist um Preise und Anerkennung entgegen zu nehmen, für ihre Neubeplanungen der Esso Häuser am Spielbudenplatz. Doch die Hälfte der BesucherInnen war nicht gekommen, um Beifall zu Spenden: BewohnerInnen der Häuser und Kritiker der Gentrifizierung aus dem Recht auf Stadt Netzwerk. Bereits im Vorfeld war scharfe Kritik an der “Investorenfreundlichen Ausschreibung” laut geworden (“Scheiß auf den Kontext” hatte SOS-St.Pauli die Haltung der Architekten beschrieben). Die Veranstaltung geriet zur Nachhilfestunde in Sachen Urbanismus, bottom-up-Planung und Image-City-Politik. Eine Professorin verlieh den alternativen Preis (“goldener rettungsring”) an die Wunschproduktion der BewohnerInnen. Besucher kommentierten die Entwürfe mit Pinkfarbenen PostIts, die von der neuen Gruppe Anonymous Architects in Umlauf gebracht wurden. SOS-St.Pauli dokumentiert das AA-Flugblatt.: Weiterlesen