Einstürzende Altbauten – Ob aus Unfähigkeit oder Vorsatz: Stadtteilversammlung fordert Baustopp für das Bernhard-Nocht-Quartier

St. Pauli, 3.3.2012.

Nachbarinnen und Nachbarn haben bei einem Stadtteiltreffen im völlig überfüllten Kölibri abgestimmt:


„Die Bau- und Abrissarbeiten am Bernhard-Nocht-Quartier müssen sofort gestoppt werden!“

Dafür: 95 Stimmen
Gegenstimmen: keine
Enthaltungen: keine


Fakt ist: Die Investoren Köhler & von Bargen haben am 17. Februar ohne Abrissgenehmigung oder Abrissverfügung Tatsachen geschaffen. Nach dem Einsturz der Seitenwand des denkmalgeschützten Gründerzeithauses in der Bernhard-Nocht Straße 85/87  war der noch am selben Tag begonnene Abriss illegal. Das Amt für Denkmalpflege hat Anzeige erstattet: “Es besteht der Verdacht, dass gegen anerkannte Regeln der Technik verstoßen wurde.”[1] Der Hamburger Senat stellt fest: Das durch den Einsturz beschädigte Gebäude wurde ohne Genehmigung abgerissen.[2] Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Baugefährdung und wegen des illegalen Abrisses.[3] Unklar ist die Rolle der Bauprüfabteilung des Bezirks Mitte: Warum wurde der illegale Abriss nicht aufgehalten? Warum wurde bei so zahlreichen Verstößen kein Baustopp verhängt?

Ob aus Unfähigkeit oder Vorsatz – die derzeit in der Bernhard Nocht Straße tätige Konstellation aus Investoren (Köhler & von Bargen), Baufirmen (Wilko Wagner, Ewert GmbH), Baustatikern (Dr. Baseler), Architekten (Sternel) hat nachhaltig unter Beweis gestellt, dass sie der Aufgabe nicht gewachsen ist.

Über die juristisch relevanten Punkte hinaus sieht die Stadtteilversammlung jetzt Politik & Bezirksamt in der Pflicht: Denn erst deren großzügige Unterstützung (Abweichungen von der Bauordnung, Genehmgung einer ungewöhnlich dichten Bebauung, nachträgliche Befreiungen vom städtebaulichen Vertrag) hat die Investoren zu ihrer groben Vorgehensweise ermutigt. Es hätte auch anders gehen können, aber BSU-Senatorin Jutta Blankau wischte noch im vergangenen Sommer das Nachbarschaftskonzept “Freundliche Übernahme” brüsk vom Tisch.[4]

[1] Elbe Wochenblatt, Nr.9, 29. Februar 2012
[2] Senatsantwort auf kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Farid Müller, Drucksache 20/3300 vom 28.02.2012
[3] Hamburger Abendblatt 01.03.2012
[4] Zurück zum Beton,  Magazin des Deutschen Schauspielhauses
 

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