Bikeflash: Schutt & Sorry bei Köhler & von Bargen, Paulaner & Blasmusi bei Bayerischer Hausbau

 

Mit einem Bikeflash und performativen Aktionen haben am gestrigen Donnerstag rund 80-100 Radler_innen Orte markiert, die mit der Wohnungs- und Stadtplanungskrise in Hamburg in Verbindung stehen. Unter dem Motto “Niemand hat die Absicht eine Mauer einstürzen zu lassen” ging es vom illegal abgerissenen Gründerzeitdenkmal in der Bernhard Nocht Str. 51 zu den Auftraggebern Köhler & von Bargen am Mittelweg. Plastikbeutel mit “Bauschutt und Entschuldigung” landeten vor den Geschäftsräumen. Nur wenige Meter weiter schütteten die Teilnehmer Paulaner Weißbier aus – vor der Hamburger Filiale der Bayerischen Hausbau, der abrisswilligen Besitzer der Esso-Häuser Spielbudenplatz. Die Paulaner Brauerei gehört zum selben Konzern wie der Immobilienriese. 

Bikeflash grüßt Bayerische Hausbau

Niemand hat die Absicht eine Mauer einstürzen zu lassen: Der Aufruf war verschlüsselt, doch viele haben verstanden.Untermalt von einem Live Sountrack aus dem FSK Studio setzen sich gestern um 15:30 zahlreiche RadlerInnen mit Radios und Performance Utensilien ausgestattet in Bewegung. 

Bikeflash

Double Trouble und Bikeflash -> Pöseldorf

Vom illegal abgerissenen Gründerzeitdenkmal in der Bernhard Nocht Strasse 85/87 ging es direkt zum Auftraggeber am Mittelweg, der Zentrale der Köhler & von Bargen OHG. Sekundenschnell landeten Schuttpäckchen, Abrissbrocken und Entschuldigungszettel vor der Eingangstür der Investoren.

Sorry, war echt keine Absicht 

Paulianer gegen Paulaner

Gleich ein paar hundert Meter weiter wurde der Bayerischen Hausbau Filiale Hamburg ein Besuch abgestattet:

gesture of contempt: Paulaner beer is spilled in front of Hamburg HQ of Bayerische Hausbau.

Paulianer leeren Paulaner

Unter den ungläubigen Augen der Konzernvertreter sammelten sich Bikeflasher für ein Foto, öffnen Paulaner Bierflaschen – und kippen den Inhalt auf den Gehweg.

Paulaner Bayerische Hausbau

Eine Geste der Verachtung: Der milliardenschweren Bayerische Hausbau gehört auch die Paulaner Brauerei in München. Die Hausklau will in St. Pauli das klassisch moderne Häuserensemble um die ESSO-Tanke Reeperbahn abreißen. Und in München will der Konzern das Gelände der Paulaner Brauerei gentrifizieren, wie Recht auf Stadt München berichtet. Und jetzt mal ehrlich, MünchnerInnen: wenn Ihr schon kein Astra trinken wollt – die Schneiderweisse schmeckt doch objektiv besser!

Endlich mal ein Bier verhaften

Endlich mal ein Bier verhaften.

 Bikeflash vorm Bezirksamt Mitte

Nächste Station: Bezirksversammlung Hamburg Mitte. So viel Publikum ist da selten:

Die Souverän  zu Besuch in der Bezirksversammlung Hamburg Mitte

In der offenen Fragestunde der Bezirksversammlung diskutieren AnwohnerInnen den illegalen Abriss durch Köhler & von Bargen und verlangen, dass die Abgeordneten ihrer Bauprüfabteilung Druck machen. Denn erst die anscheinend vorbehaltlose Unterstüzung der Investoren durch die Politik und die Behörden, hat diese ermutigt, so unvorsichtig vorzugehen und das beschädigte Denkmal schließlich eigenmächtig abzureißen.  Rechtlich eine Straftat, ist aus der Bauprüf des Bezirks HH-Mitte immer nur davon die Rede, man prüfe, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliege.

Am selben Abend kommt ein Antrag von Piraten und Die Linke zur Abstimmung, der einen Baustopp fordert.

Die BesucherInnen interessiert allerdings darüber hinaus die Zukunft der Esso-Häuser, und ob die Bezirksversammlung dafür Sorge tragen wird, dass ein ergebnisoffene Verhandlung mit Investoren, Stadtteil, MieterInnen, Politik und ExpertInnen zu einer gemeinsam getragenen Lösung kommt.

SPD, Piraten und sogar die FDP geben zu bedenken, ob die Bayerische Hausbau nicht der falsche Projektentwickler ist.  Offenbar sind die Brauereibesitzer aus München gewohnt, dass die Politik nach ihrer Pfeife tanzt. (An dieser Stelle seien die Bezirksversammlungsmitglieder  an die Münchner Bauland Affäre erinnert, in deren Verlauf die Münchner Stadtabgeordneten systhematisch hinters Licht geführt wurden. Profiteur damals: die Bayerische Hausbau).

Bayerische Hausklau Angie's Nightclub

Baut’s eier Häusle woanders!

Statt die Gespräche am Runden Tisch fortzusetzen, den die Bayern einseitig abgebrochen hatten, haben die Baulöwen nämlich zu einer “Mieterversammlung” in Angie’s Nightclub eingeladen – unter Ausschluß von Stadtteil, RechtsanwältInnen, Politik und ExpertInnen. Eigentlich hatte der Akzeptanzmanager der Bayerischen Hausbau, Markus Birzer, dafür den St. Pauli Ballsaal im Millerntorstadion angemietet – wie sich herausgestellt hat allerdings unter falschem Vorwand. Der getäuschte Verein hat direkt nach Bekanntwerden der Hintergründe reagiert, und die Veranstaltung der Bayern abgesagt. (Die beleidigte Reaktion der Bayern im Originalwortlaut hier.)

Bayerische Hausklau Esso Häuser

St. Pauli himmelblau-weiss

Vor den Toren der Beteiligungsshow bereiten MieterInnen, Esso-Ini, SOS-St. Pauli und andere NachbarInnen mit Informationen, Bayerischen Hochzeitstoren aus Plastik und kritischer Blasmusik aus dem Alpenland einen würdigen Empfang.   

Beteiligungsshow Bayerische Hausklau

Zwei MieterInnen kehren gleich wieder um –  die Treppe in Angie’s Nightclub ist zu steil. Insgesamt erscheinen rund 25 MieterInnen zu dem Treffen, mindestens 15 sind Mitglied der Initiative Esso-Häuser. Die Show läuft ab, wie erwartet – die Bayerische Hausbau bringt die immergleichen bekannten Argumente. AnwältInnen von Mieter helfen Mietern sind doch als Bevollmächtigte an den Türstehern vorbeigekommen, und weisen die MieterInnen ausdrücklich darauf hin, nicht in Einzelgesprächen ohne Anwalt mit der Bayerischen Hausbau zu verhandeln. Macht alles schriftlich Leute, und lasst euch nicht spalten!

Während die Bayerische Hausbau drinnen in Angie’s Nightclub mit empörten MieterInnen konfrontiert wurde, harrte das ausgeschlossene Volk auf der kalten Strasse aus und vergnügte sich mit Vorträgen in an Gerhard Polt geschultem Pseudobayerisch, und über Megaphon verstärkter Blasmusi, die nach meinem Geschmack dadurch irgendwie totalitär klang – ganz dem Vorgehen der Bayerischen Hausklau entsprechend.

während die MieterInnen zum Schluss der Veranstaltung um 21 Uhr mit Jubel empfangen wurden, gab’s für den verschüchtert aus Corny Littmanns Nightclub hervorlugende Marcus Birzer noch bajuwarische Flüche – und für die Bayerische Hausbau ein Lied mit auf den Weg:

“In Hamburg sagt man Tschüß - das heißt auf Wiedersehen“.

 PS: Manchmal sind Aktionen so komplex, dass die Presse nur minimale Ausschnitte davon mitbekommt:

Kurzer Artikel im Hamburger Abendblatt ohne Details

Baut’s eier Häusle woanders! Hinz und Kunzt zitiert in korrektem bayerisch

Endlich mal ein Bier verhaften – herrliches Foto auf Empire St. Pauli’s Flickr account

Utopie TV Doku Video

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