ESSO-Häuser: Vorne spielt die Musik, hinten geht der Kiez in Trümmer

Die Esso-Häuser, das rauhe und sperrige Herz von St. Pauli, werden zertrümmert – während nebenan die Eurovisionsparty vorbereitet wird.

Heute Tag X: 19 Uhr Protestkundgebung – St. Pauli wird laut

Die Bagger rücken an, schaffen Tatsachen. Über ein halbes Jahrhundert St. Pauli-Leben geht in Trümmer. “Fühlt sich an wie eine Beerdigung”, sagt Oxana Smakova, eine der vielen Bewohner_innen, die in den letzten Jahren leidenschaftlich für ihr Zuhause gekämpft haben.

 

 Intervention des Megafonchors am 7. Mai. Bild: Catch of the Day von Frank Egel

Der Kontrast könnte nicht schärfer ausfallen: Während an der Rückseite der Häuser der schmerzhafte Abriss eines prägenden Stücks vom alten St. Pauli beginnt, sind an der Vorderseite, zum Spielbudenplatz hin, bereits die Scheinwerfer für das nächste Partywochenende montiert: Mit Hafengeburtstag und Eurovision Song Contest rollt die erste Eventlawine des Jahres über den Stadtteil.

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Kein Abriss ohne Garantien* | Kundgebung Esso-Häuser 15.02, 15 Uhr

Das St. Pauli Rat-Pack zeigt wie’s geht: Die Hirschhornisierung des Bauzauns hat begonnen.

So ein Scheiß! Mit der Esso-Tanke ist am Mittwoch ein weiterer Kiez-Ort verschwunden. Weg, für immer: kein nächtliches Eis oder Franzbrötchen, keine überteuerte H-Milch, keine tiefergelegten Schlitten beim waschen & betanken mehr. Wer aus Hamburg und Umgebung hat sich nicht in seiner Jugend an “der Tanke” mit Biervorräten für den taschengeldbeutelschonenden Reeperbahnbummel eingedeckt?

Als wäre das nicht genug, gibt’s von der Bayerischen Hausbau, von Behörden und Bezirk bis jetzt noch keine:

* vertragsbewehrten Garantien für Läden und Bewohner der Esso-Häuser, zu den bisherigen (oder besseren) Kondition zurückkehren zu können. Und der hastige Abriss begünstigt die Eigentümer weiter gegenüber den geschädigten Mieter_innen. Weiterlesen

Wuchtige Stadtteilversammlung St. Pauli: Resolution verabschiedet, Widerstand angekündigt

 

Der Hamburger SPD-Senat muss sich warm anziehen: In einer vielfältigen und mit 400 Teilnehmer_innen voll besuchten Stadtteilversammlung, kündigen die Sanktpaulianer_innen weiteren Widerstand an. “Ihr vertetet uns nicht mehr!”, sprach ein Teilnehmer dem Senat & Bürgerschaft jegliche Legitimation ab. “Wir wollen Eure Bauvorhaben nicht!”. Unter begeistertem Applaus wurde eine Resolution verabschiedet, die vom Senat und Bezirk Garantien fordert, bevor die Häuser fallen. “Wir sollten uns erinnern: In St. Pauli haben wir die Fähigkeit entwickelt, Bauzäune zu Fall zu bringen.” – so eine andere Stimme aus der Versammlung. Eine Diskutantin griff die Legitimationskrise der Bezirkspolitik auf und schlug vor die Stadtteilversammlung zu verstetigen und einen “konstituierenden Prozess” in Gang zu bringen. Denn neben Esso-Häuser-Planung und BID Reeperbahn+, neben Flora und Lampedusa in Hamburg, brennen weitere Probleme unter den Nägeln – auf die die Politik keine Antwort weiß. Weitere Aktionen sind in Vorbereitung, ein Nachfolgetreffen  ist für den 18. Februar im Kölibri angekündigt. 

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Aus unserer Sicht: Stellungnahme

Stellungnahme der Initiative ESSO Häuser

zur Demonstration  Rote Flora verteidigen – Esso-Häuser durchsetzen! Gegen rassistische Zustände – Bleiberecht für alle! am 21.12.2013, Hamburg

Seit der überstürzten Räumung der Esso-Häuser ist eine Woche vergangen. Seitdem arbeiten einige von uns ohne Unterlass, unterstützen die evakuierten Bewohnerinnen und Bewohner psychologisch, rechtlich und halten die Kommunikation aufrecht. Wir sind wütend über die fehlende Unterstützung des Bezirks und über die Parteinahme für die Investoren, die rechtlich verantwortlich sind für die jetzige Situation.

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Ein Zittern. 5 Minuten zum Packen. Evakuierung.

SOS St. Pauli Demonstrationsaufruf 21.12.2013

 

…14 Stunden später stehen sie vor den laufenden Kameras der Presse: Bezirksamtsleiter Andy Grote und Bayerische Hausbau Manager Taubenberger. 14 Stunden nach einer polizeilichen Räumung ohne Beispiel. 14 Stunden nachdem offenbar geworden ist, dass die herausgezögerte Sanierung der Häuser Menschenleben aufs Spiel gesetzt hat. 14 Stunden danach: der SPD Politiker und gelernte Anwalt Grote steht im Erdgeschoss der “Tanzenden Türme” und widerspricht nicht, als dem Esso-Häuser-Vermieter diese Worte über die Lippen kommen: “An geldliche Entschädigung oder ähnliches ist nicht gedacht”.

 

Verantwortung im Lande des TÜVs

 

Die Bayerische Hausbau ist seit dem Kauf der Häuser juristisch verantwortlich für ihren jetzigen Zustand, denn sie hat neben Grundstück und Gebäuden, auch die Pflicht zur Behebung des Sanierungsstaus miterworben. Dabei spielt keine Rolle, was der Vorbesitzer unterlassen hat. Auch nicht, dass die Hausbau von vornherein auf Abriss spekuliert hat: Gewohnt, den roten Amigo-Teppich ausgerollt zu bekommen, wollte sich der bayerische Immobilienriese von vornherein am wachsenden Immobilienmarkt Hamburgs platzieren und hat für 18,9 Millionen das Grundstück gekauft – ein Preis, der sich damals schon nur deshalb gerechnet hat, weil man auf Abriss und extreme Nachverdichtung mit hochpreisigen Miet- und Eigentumswohnungen spekuliert hat. In der Heimat der Bayerischen Hausbau ist man es gewohnt, dass Bebauungspläne mal eben geändert werden … Weiterlesen

Denkmal – Abriss, Aufbau: Offener Brief an Bezirksamtsleiter Andy Grote

Offener Brief an:

Andy Grote Bezirksamtsleiter Hamburg Mitte,

Klosterwall 8 , Block D

20095 Hamburg

 

nachrichtlich:

Amt für Denkmalpflege

 

Betr:  Vorschlag zum Umgang mit dem illegal abgerissenen Gründerzeitdenkmal Bernhard-Nocht-Straße 85/87

 

Hamburg, den 31. Mai 2012

 

Sehr geehrter Andy Grote,

 

in der Diskussion um den (Wieder-)aufbau des abgerissenen Denkmals kursieren in der Presse bisher Lösungen, die der Situation nicht gerecht werden. Weiterlesen

Rudolf-Lodders Preis 2012: Intervention von SOS-St.Pauli und Esso-Häuser-Ini

Die Stimmung in der Akademie der Künste war an diesem warmen Frühsommerabend gedrückt: Jungarchitekten waren aus ganz Deutschland angereist um Preise und Anerkennung entgegen zu nehmen, für ihre Neubeplanungen der Esso Häuser am Spielbudenplatz. Doch die Hälfte der BesucherInnen war nicht gekommen, um Beifall zu Spenden: BewohnerInnen der Häuser und Kritiker der Gentrifizierung aus dem Recht auf Stadt Netzwerk. Bereits im Vorfeld war scharfe Kritik an der “Investorenfreundlichen Ausschreibung” laut geworden (“Scheiß auf den Kontext” hatte SOS-St.Pauli die Haltung der Architekten beschrieben). Die Veranstaltung geriet zur Nachhilfestunde in Sachen Urbanismus, bottom-up-Planung und Image-City-Politik. Eine Professorin verlieh den alternativen Preis (“goldener rettungsring”) an die Wunschproduktion der BewohnerInnen. Besucher kommentierten die Entwürfe mit Pinkfarbenen PostIts, die von der neuen Gruppe Anonymous Architects in Umlauf gebracht wurden. SOS-St.Pauli dokumentiert das AA-Flugblatt.: Weiterlesen

Bikeflash: Schutt & Sorry bei Köhler & von Bargen, Paulaner & Blasmusi bei Bayerischer Hausbau

 

Mit einem Bikeflash und performativen Aktionen haben am gestrigen Donnerstag rund 80-100 Radler_innen Orte markiert, die mit der Wohnungs- und Stadtplanungskrise in Hamburg in Verbindung stehen. Unter dem Motto “Niemand hat die Absicht eine Mauer einstürzen zu lassen” ging es vom illegal abgerissenen Gründerzeitdenkmal in der Bernhard Nocht Str. 51 zu den Auftraggebern Köhler & von Bargen am Mittelweg. Plastikbeutel mit “Bauschutt und Entschuldigung” landeten vor den Geschäftsräumen. Nur wenige Meter weiter schütteten die Teilnehmer Paulaner Weißbier aus – vor der Hamburger Filiale der Bayerischen Hausbau, der abrisswilligen Besitzer der Esso-Häuser Spielbudenplatz. Die Paulaner Brauerei gehört zum selben Konzern wie der Immobilienriese.  Weiterlesen